Close
Selbstzweifel im Kopf

Das kannst du nicht!

Vom Selbstzweifel zu gesunder Selbstkritik

Meine Selbstzweifel waren Stolpersteine, die mir ständig im Weg standen. Ein stetiger Begleiter, der mir immer wieder einflüsterte was ich alles nicht konnte. Das war nicht immer so, denn die Zweifel schlichen sich über die Jahre mehr und mehr ein und begannen sich allmählich zu verfestigen. 

Wie konnte das passieren? 

Bevor ich in das Spinnennetz meiner Selbstzweifel geriet, erlebte ich die glänzende Kehrseite des Ganzen. Ich hatte eine Phase in meinem Leben, in der mir Selbstzweifel fremd waren, denn ich war überzeugt von dem was ich tat. Ich sah mich zu überdurchschnittlichen Leistungen in der Lage und spürte, dass ich vielfältige Fähigkeiten hatte. Man möchte meinen ich hatte Selbstvertrauen, aber vertraute ich wirklich mir selbst? Nein, denn ich verwechselte Selbstvertrauen mit einer möglichst hohen Meinung von mir selbst. Der berühmte Elfenbeinturm, das hohe Ross oder wie auch immer man es nennen möchte.

Es war eine Mischung aus jugendlichem Narzissmus, Überheblichkeit, dem Gefühl von Unsterblichkeit und einem Hauch Besserwisserei. Ich fühlte mich den Anderen überlegen und zog daraus meine Kraft. Mit einem wirklich gesunden Selbstvertrauen hatte das alles nichts zu tun. Es war ein fragiles Kartenhaus und ein kleiner Windstoß, eine Kritik von außen oder ein Misserfolg ließen alles in sich zusammenstürzen. 

Irgendwann geriet ich innerlich ins Stocken, denn mit der Zeit musste ich feststellen, das nicht immer alles so glatt lief wie ich es gewohnt war. Nach meiner Jugendzeit als junger Erwachsener schien die Schonfrist abgelaufen zu sein, denn die Menschen um einen herum sind dann mitunter nicht mehr so gnädig mit einem. Kurz gesagt: Ich bekam jetzt des Öfteren auch mal die Meinung gesagt. Ich war frustriert darüber, denn ich bekam von meinen Mitmenschen gespiegelt, das mir noch einiges fehlte, um der zu sein, der ich sein wollte. Ich hatte mich deswegen ein Stück weit aufgegeben und war nicht in der Lage die Kritik zu verarbeiten. Ich reagierte nicht konstruktiv oder sah es als Aufforderung mich weiterzuentwickeln sondern wurde trotzig und reagierte beleidigt. Ich fühlte mich unverstanden und alle anderen waren in meinen Augen Idioten. Ein Abwehrmechanismus meinerseits, der auch längere Zeit gut funktionierte. 

Die Schuld an der eigenen Misere den Anderen in die Schuhe zu schieben ist weitaus bequemer als sich selbst in Frage zu stellen. Es war klar, dass dies eine Sackgasse war, denn an meiner Situation änderte sich dadurch freilich nichts. Dennoch wollte ich hoffen, dass der Knoten ohne eigenes Zutun von selbst platzt. Ich redete mir ein, das ich nur mal wieder ein wenig Glück bräuchte und bald käme bestimmt jemand um die Ecke, der meinen Wert erkennen würde. Natürlich geschah nichts. Ich musste begreifen, dass meine ganze Lebenssituation nichts mit den Anderen zu tun haben konnte. Ich war allein verantwortlich und diese Erkenntnis tat zunächst weh. Nicht die anderen waren die Idioten, sondern ich verhielt mich idiotisch, indem ich annahm, dass irgendjemand anderes für mein Glück verantwortlich sei. Ich befand mich in der Opferrolle ohne es wirklich zu merken.

Vorhang auf: Die Zweifel kommen!

Ich begann damit an mir zu zweifeln. Wenn ich nicht der grandiose Typ war, der ich glaubte zu sein und auch die Anderen keine Schuld an meinen Lebensumständen hatten, dann hatte es zwangsläufig etwas mit meiner eigenen Person zu tun. Dabei ist es nur natürlich sich selbst anzuzweifeln, denn ich war jetzt gezwungen mich selbst in Frage zu stellen. Dabei zog ich aber noch lange keine Konsequenzen daraus – im Gegenteil – meine Selbstzweifel führten mich auf eine Odyssee von verpassten Chancen und verschwendeter Lebenszeit. Dabei verbrannte ich mich selbst in den Lebensträumen anderer oder war in Firmen tätig, in die ich schlicht nicht hineinpasste. Währenddessen schwelte in mir zunehmend mehr die Gewissheit, dass ich etwas eigenes auf die Beine stellen musste um Zufriedenheit erlangen zu können. Aber was sollte das sein und wie ließe sich das realisieren? 

Was ist mit mir? Ist da etwas, das zum Leben erweckt werden möchte?

„Glaube nicht alles, was du über dich denkst.“

Byron Katie

Ich fischte im Trüben und erst ein paar weitere angehäufte Enttäuschungen später hatte ich Gewissheit. Meine Lebensaufgabe sollte schlicht und einfach darin bestehen meine gemachten Erfahrungen aufzuschreiben und weiterzugeben. Ich sollte und musste meine Gedanken vollkommen ausschütten, denn sie beschäftigten mich Tag und Nacht. Keine andere Tätigkeit in meinem Leben verschafft mir die gleiche Zufriedenheit wie das Schreiben.

Aber auch diese Hürde machte mir zunächst Schwierigkeiten, denn noch bevor ich begann die ersten Zeilen zu schreiben, begegnete ich wieder meinen Selbstzweifeln, die ich nun schon eine gefühlte Ewigkeit mit mir herum trug. Ich musst mich ihnen stellen, denn schließlich hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt alle anderen Lösungswege bereits versucht. Hatte ich wirklich genug Talent zum Schreiben? War das überhaupt von Interesse für irgendjemanden? Sollte ich wirklich so offen mit meiner inneren Gedankenwelt umgehen? Was könnten die Anderen von mir denken? Die Liste ließe sich noch unendlich fortschreiben und umso öfter diese Fragen in mir auftauchten, umso absurder kamen mir meine Bedenken dabei vor. 

Die Zweifel verloren ihre Macht

„Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.“

Friedrich Schiller

Ich konnte in der Auseinandersetzung mit meinen Selbstzweifeln nichts anderes darin finden als Selbstzerfleischung und Sabotage meiner selbst. Ich beschloss, dass ich genug Talent hatte und ich war mir sicher, dass es schon irgendwo jemanden geben würde, für den das, was ich hier schreibe von Interesse ist. Und das Problem mit der Offenheit? Ich sehe als Befreiung so offen sein zu können und über meinen Schatten  zu springen. Was andere von mir denken? Das liegt außerhalb meiner Kontrolle. Anstelle der Zweifel trat jetzt die gesunde Selbstkritik. Sich selbst kritisch und konstruktiv zu hinterfragen ist etwas völlig anderes als sich mit Zweifeln zu plagen.

Darüber hinaus galt es auch für mich auch noch ein paar andere gedankliche Klippen zu umfahren. Ich verglich mich lange Zeit mit anderen Menschen und es war ein Rezept zum Unglücklichsein, denn ich konnte dabei nur verlieren. Es gibt so einige strahlende Persönlichkeiten bei denen ich mich fragte: “Wie machen die das nur?“ Hatten Sie unverschämtes Glück, unglaubliches Talent oder wurden von Anderen dorthin gehievt? Ich war nur noch selbst genervt von meinen Vergleichen mit Anderen. Es führte mich zu nichts, außer dass es mich daran hinderte selbst etwas auf die Beine zu stellen. Es war befreiend für mich, nur noch im Wettbewerb mit mir selbst zu stehen. Außerdem sah ich oft nicht die schwierige Entwicklung die so manche leuchtenden Vorbilder hinter sich bringen mussten, bis sie dort angelangt waren, wo sie jetzt stehen. 

Zugegebenermaßen war es nicht einfach hinter meine ganzen selbst gesetzten Grenzen zu blicken und zu begreifen worin meine Probleme lagen, aber die kontinuierliche Arbeit damit brachte mich letztendlich mehr zu meinem inneren Kern und dem was mich ausmacht. Dieser selbstreinigende Prozess hat mich auch um einiges bescheidener und vorurteilsfreier gemacht. Ich gehe nicht mehr so hart mit mir selbst und damit auch anderen ins Gericht. Ich denke es genügt deshalb in eigenem Tempo meine ganz eigenen Ziele zu verfolgen ohne alles andere um mich herum zu vergessen. Letztlich besteht das Leben für mich aus einer ganzen Menge mehr, als nur der eigenen Vision in Form dieses Projektes. Da wären Beziehungen, Familie, Erholung und eine ganze Menge anderer Dinge, die ich früher als nebensächlich abtat. Leben bedeutet für mich heute eine bunte Mischung aus vielen verschiedenen Aspekten, die alles viel abwechslungsreicher und bunter machen und damit einen Abschied von eintöniger Fixierung.

Ich bin noch lange nicht am Ende meiner Entwicklung und werde es wahrscheinlich auch nie sein. Solange werde ich darüber berichten und versuchen es so gut wie möglich wiederzugeben. In der Hoffnung es möge Anderen weiterhelfen.

Text und Bild: (c) Michael Beetz

Avatar
Hi, mein Name ist Michael Beetz und ich bin das Gesicht hinter wunderdings.de – Mein Blog mit Geschichten aus meinem Leben.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: