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Drogen

Bist du drauf?

Meine Erfahrungen mit Drogen

Eigentlich wollte ich damit beginnen, die Vergangenheit hinter mir zu lassen, da sie an mir klebt wie eine lästige Klette. Einfach alles zu vergessen was gewesen ist klingt in der Theorie einfach und ist in der Praxis doch so schwer. Jedenfalls fällt es mir nicht leicht, die Tür mit der Aufschrift “Vergangenheit” einfach hinter mir zu schließen. Trotzdem gelingt es mir im Gegensatz zu früheren Zeiten öfters mal einen Haken dahinter zu setzen und mich auf die Gegenwart und meine Ziele in der Zukunft zu fokussieren. Um die Vergangenheit auf sich beruhen zu lassen, gehört es für mich nun einmal unweigerlich dazu, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Denn da gibt es einiges für mich zu verstehen, auch wenn es schmerzhaft sein kann darin zu puhlen. Manches gräbt sich eben so tief ein, das es noch einmal angesehen werden möchte um letztlich dann im Aktenschrank des Vergangenen zu verschwinden. Ein Kapitel darin möchte ich den Drogen widmen und vor allem einer Person die mir nachdrücklich im Gedächtnis geblieben ist.

Ich kannte ihn nur flüchtig

Ich nenne ihn Peter und ich kannte ihn nur flüchtig und er liebte das Crystal. Das Gefühl der Sorglosigkeit und Euphorie, das die zu Pulver gehackten Kristalle im Organismus eines Menschen auslösen können sind phänomenal. Plötzlich erscheint das Leben als fröhlicher Spaziergang oder eine nie enden wollende Party. Peter traf man immer, wenn in den Clubs der Innenstadt die Lichter ausgingen und die letzten Hartgesottenen aus den Türen der Clubs und Diskotheken auf die Straße gespült wurden. After-Hour in der Wohnung irgendeines Bekannten war angesagt und der Alkohol floss dort weiter in Strömen. Peters’ Arsenal hingegen umfasste noch mehr außer Hochprozentiges, denn er hatte immer ein paar Spaßmacher bei sich. Ecstasy-Pillen, Crystal oder MDMA waren immer im Handgepäck und so konnte auch ich nicht nein sagen, als er mir etwas aus seiner “Schatzkiste” anbot.

„Leute die Drogen nehmen, machen sich selber zu Versuchskaninchen.“

Erhard Blanck (*1942), deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler

Also zog ich das Zeug durch die Nase. Zunächst geschah nichts, aber einige Minuten später durchfuhr ein frischer Wind mein Hirn und durchströmte mich mit Glücksgefühlen. Es war so als ob die Nacht noch einmal von vorne beginnen würde, obwohl draußen schon die Morgensonne dämmerte und es kurz darauf schon taghell war. Es war zeitweise auch ein befremdliches Gefühl völlig high zu sein, während draußen das geschäftige Innenstadt-Treiben an einem Samstagmorgen begann. Aber die Bedenken wurden schnell weggewischt, denn das erhabene Gefühl trug mich weiter durch den Morgen. Das Hungergefühl verschwindet und die Sorgen ebenso, nebenbei lief die Kreativität auf Hochtouren und selbst das dämlichste Gerede löst breites Gelächter aus.

Hoch fliegen und hart landen

Wäre da nicht das Gefühl des Absturzes, das mindestens genauso heftig ist wie der Flug nach oben. Darin liegt das Abhängigkeitspotenzial, denn man möchte nachlegen und das Gefühl der Euphorie und Grenzenlosigkeit wieder erlangen. Glücklicherweise konnte ich davon ablassen, denn die Vernunft riet mir, das ein solches Vorgehen ziemlich schnell böse enden konnte. Es war eben bloß ein trügliches Gefühl erzeugt durch eine chemische Substanz und kein dauerhaft währender Bewusstseinzustand, der einem eine wirkliche Perspektive bot. Andere konnten das nicht und legten sich in die Hände der Drogen.

Auch Peter tat das und er konsumierte täglich, auf der Arbeit, nach Feierabend an den Wochenenden und das über Jahre hinweg. Wir verloren uns aus den Augen, denn unsere Bekanntschaft beschränkte sich auf ein gelegentliches Aufeinandertreffen. Zwischenzeitlich erfuhr ich, das Peter in einer psychiatrischen Klinik gelandet war und sah ihn lange Zeit nicht wieder und befürchtete fast schon, das er daraus nicht mehr entrinnen konnte. Es musste etwas schwerwiegendes sein, was auf seiner Seele lastete.

Es ging einige Zeit ins Land und ich traf ihn zufällig auf einem Supermarktparkplatz wieder und war etwas verstört, denn der Glanz aus seinen Augen war vollkommen verschwunden. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie besonders auf die Sprache der Augen bei Anderen geachtet, aber beim Blick in Peters’ Augen begann ich zu begreifen, was es bedeutete wenn jemand leer zu sein schien. Das Gespräch verlor sich in Floskeln und ich achtete auch nicht auf seine Worte, denn schließlich sprachen seine Augen Bände. Solch ein Blick war mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht untergekommen. Es war in einer traurigen Art und Weise beeindruckend und seine Augen rufen sich auch heute noch in meine Erinnerung.

Legalize it or not?

Die Diskussion über die Legalisierung von Drogen und der Streit darüber was gefährlich oder ungefährlich ist oder ob legale Drogen nicht mindestens genauso schlimm sind wie ihre illegalen Verwandten wurde schon oft geführt. Ich komme zu dem Schluss, dass ein Stoff, den man sich von außen zu führt niemals die erhoffte Lösung ist, denn sie stopft das Loch fehlender innerer Zufriedenheit oder heftiger innerer Stürme nur temporär. Leicht gesagt, denn hinter Drogenkarrieren stecken meist schwere Schicksalsschläge und innere Kämpfe, die für das Gegenüber nur schwer bis gar nicht nachvollziehbar sind.  Ich will an dieser Stelle jegliche Wertung oder politische Diskussion außen vor lassen, denn das Feld der “Süchte” mit all ihren Ursachen und Wirkungen ist ein in der Gesellschaft tief verankertes Thema, das sich nicht mit ein paar Zeilen Text abhandeln lässt. Deshalb mache ich hier einen Punkt und geh erstmal eine Rauchen.

Text und Bilder: (c) Michael Beetz, Collage aus Bildmaterial von www.pexels.com

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Hi, mein Name ist Michael Beetz und ich bin das Gesicht hinter wunderdings.de – Mein Blog mit Geschichten aus meinem Leben.

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