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Zeugnis der ersten Klasse

Der Ernst des Lebens

Mein Weg von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung

Schools out forever

“Du musst funktionieren.” Diesen Spruch hörte ich als Heranwachsender oft. Es ist einer bei Erwachsenen beliebter Spruch aus der Kategorie “Lehrjahre sind keine Herrenjahre.” oder “Das Leben ist kein Wunschkonzert.” Ich fand das eine wirklich dröge und fantasielose Einstellung vom Leben. In diesen Aussagen steckte keine Freude aber dafür umso mehr Ernsthaftigkeit. Tatsächlich war das Ende meiner Schulzeit etwas, das sich anfühlte, als wäre das Leben kein Wunschkonzert. Ich sollte mich nun als Zahnrad in das große Getriebe “Arbeitswelt” eingliedern. Das hieß für mich, das zu tun, was meine Eltern von mir erwarteten. Also etwas solides und greifbares in einem angesehen Unternehmen in einer zukunftsfähigen Branche. Ich warf also meine Pläne etwas künstlerisches oder zumindest kreativ angehauchtes zu machen über den Haufen und schlug in die Kerbe der Vernunft.

Nichts ist schrecklicher als ein Lehrer, der nicht mehr weiß als das, was die Schüler wissen sollen.

Johann Wolfgang von Goethe (deutscher Dichter)

Hier bin ich falsch

Ich begann eine Ausbildung als Buchhalter und nach zwei Jahren warf ich die Flinte ins Korn. Die Vorstellung mein ganzes Leben vor einem Bildschirm zu verbringen und endlose Zahlenkolonnen zu verfolgen ließ mich innerlich verhungern. Es war einfach nicht mein Ding und ich erinnere mich an nicht enden wollende Arbeitstage, die mich fast verzweifeln ließen. Das war nun also das Arbeitsleben in dem ich angekommen war. Keine Begeisterung gepaart mit dem ständigen Blick auf die Uhr, die scheinbar immer langsamer tickte, je öfters ich darauf schaute. Zu allem Überdruss war die Uhr auch noch einer der besten Freunde meiner Ausbilderin, die mit Argusaugen darüber wachte, wann ich kam und ging. Zwei Minuten Verspätung am Morgen waren für sie schon ein ernstzunehmendes Problem und ich schüttelte unverständlich den Kopf darüber. Ich fand es engstirnig, aber ich musste mich damit abfinden, das es Menschen gab, die anders darüber dachten als ich. Genauigkeit und Präzision war eben das Spielfeld eines Buchhalters. Besonders schlimm war es in den Sommermonaten, wenn draußen die Sonne vom blauen Himmel strahlte. Sie schien mit mir zu sprechen um mir zu sagen:”Komm nach draußen.”

In mir schwelte schon lange der Ruf zum Aufbruch und schließlich fasste ich mir auch ein Herz und beendete die Episode “Buchhalter” um schließlich eine Praktikantenstelle als Gestalter in einem Verlag zu finden. Es war die richtige Kurskorrektur und ich konnte meiner kreativen Ader endlich Ausdruck verleihen, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, das es noch einige weitere Korrekturen brauchte um auf  meinen ureigenen Pfad zu gelangen. Es folgte eine Odyssee durch verschiedene Unternehmen – unterbrochen von zwei Versuchen selbständig zu arbeiten – ehe ich merkte, das ich immer weniger bereit dazu war, fremdbestimmt zu arbeiten. In einem Unternehmen musste man nun mal das tun, wofür man bezahlt wurde und für eigene kreative Impulse war kein Raum vorhanden. Dennoch scheiterte ich immer wieder an mir selbst und statt loszulegen und einen Schritt nach dem Anderen meiner Vision entgegen zu schreiten, ging ich erst gar nicht los. Ich begriff nicht, das ich erst eine Entwicklung durchmachen musste um zu meinem Ziel der Selbstbestimmung zu gelangen.

Wozu bin ich eigentlich hier?

Ich brauchte seit Ende meiner Schulzeit nun etwa 15 Jahre um herauszufinden wohin ich eigentlich wollte, welche Stärken und Schwächen ich hatte und in welchem Umfeld ich leben und arbeiten wollte. Erst heute weiß ich wofür ich stehe, was ich möchte und wie ich es meiner Umwelt gegenüber vermittle. Ich brauchte zuerst ein klares gedankliches Fundament, um von dort ausgehend mit entsprechender Gelassenheit und Motivation stetig meinem Ziel entgegen zu arbeiten. Was ich hier tue kommt aus der Tiefe meiner Persönlichkeit und entspricht meiner innersten Überzeugung. Es ist mir eine Herzensangelegenheit,  zu der ich mich nicht motivieren muss oder die sich wie eine lästige Pflichtaufgabe anfühlt. Ohne diese innere Motivation hätte ich wohl auch schon längst wieder abgelassen von meinem Projekt, das ich als Reise sehe und das sich immer wieder verändern, erweitern und wandeln wird. 

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Hi, mein Name ist Michael Beetz und ich bin das Gesicht hinter wunderdings.de – Mein Blog mit Geschichten aus meinem Leben.

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