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Taube

Der Tod

Ein Abschied auf Ewigkeit?

Ein wahrhaft unbequemes Thema und dennoch für uns alle unausweichlich – Der Tod. In meinen jüngeren Jahren hatte dieses Thema keine Präsenz in meinem Leben, aber in letzter Zeit schob es sich immer mehr in mein Bewusstsein. Die Zeit rennt schneller umso älter ich werde und mit etwa 30 begann ich tatsächlich damit ein Resümee über mein bisheriges Leben zu ziehen. Es fühlt sich an, als wäre ein Drittel meiner Lebenszeit bereits vorüber – vorausgesetzt das ich überhaupt so alt werden soll, wie ich es mir ausmale.

„Mit 93 Jahren? Ich hätte nichts dagegen, wenn es bald einmal zu Ende gehen würde.“

Während einer Begegnung

Vor nicht allzu langer Zeit fing mich eine ältere Frau auf dem Gehweg ab, als ich unterwegs zu einer Verabredung war. Sie trat schon etwas gebrechlich aus ihrer Wohnungstür und machte trotzdem einen recht stabilen Eindruck – vor allem geistig. Es dauerte nicht lange und sie erzählte mir von ihrem Leben, das zum Großteil aus Arbeit bestand. Die ältere Dame und ihr Mann führten über Jahrzehnte einen Schreinerbetrieb mit einigen Angestellten. Urlaub? Den gönnte sie sich und ihr bereits verstorbener Ehemann nur einmal. Zwei Wochen am Stück. Ich glaube die Frau flunkerte nicht, denn der Ethos von harter Arbeit schwang in ihrem ganzen Ausdruck mit. Sie sprach laut und deutlich und besaß einen kämpferischen Glanz in ihren Augen. Man trägt eben Verantwortung für den eigenen Familienbetrieb. Es ist wohl eine Mischung aus Pflichtbewusstsein, fränkischer Zähigkeit, Geschäftssinn und ein Stück weit Ehrgefühl, die hier zusammen kommt. Recht schnell schwenkte sie in dem etwas monologhaften Gespräch auf das Thema Tod um. Sie hatte irgendwie genug von all dem Leben. „Mit 93 Jahren?“ sagte sie, „Ich hätte nichts dagegen, wenn es bald einmal zu Ende gehen würde.“ Ich war etwas erstaunt, denn so etwas hätte ich aus ihrem Mund nicht erwartet. Die Worte purzelten aus ihr heraus ohne das dahinter eine Todessehnsucht steckte sondern viel mehr eine Bereitschaft dazu, den Tod dankbar in Kauf zu nehmen, wenn er anklopft. Die Dame entschuldigte sich danach bei mir, das sie mir meine Zeit gestohlen hatte. Ich wiegelte ab, denn ich fand die Ausführungen spannend. So viel Offenheit hatte ich an einem verschlafenen Sonntag Nachmittag in der fränkischen Provinz nicht erwartet. Sollte es die erste und letzte Begegnung gewesen sein? Ich weiß es nicht. Ich hoffe nur der Abschied fällt mir eines Tages ähnlich leicht.


„Liebe ist die Feder im Uhrwerk des Lebens.“

Margarete Seemann


Der Tod als Antrieb

Über den Tod lässt sich vortrefflich schreiben, denn schliesslich ist er eines der am besten gehüteten Geheimnisse. Er gibt viel Anlass zur Spekulation. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Eine Wiedergeburt. Was ist mit dem weißen Licht das viele Menschen mit Nahtoderfahrungen anlockte oder ist es danach einfach zappenduster? Unsere Existenz gelöscht? Ich habe schon ein wenig Unbehagen davor und vielleicht sollte ich das als vergleichsweiser junger Mensch auch. Ich habe schon noch die ein oder andere Sache zu erledigen bevor ich gehe und das mit möglichst viel Freude.

Ich hatte bisher wenige unmittelbare Berührungspunkte mit dem Tod. Meine Großeltern starben schon bevor ich geboren wurde und der Kontakt zu meiner näheren Verwandtschaft war so spärlich, das ich nur aus einiger Entfernung vom Tod zweier naher Verwandter erfuhr. Wie werde ich reagieren, wenn meine Eltern nicht mehr hier sind? Wie werde ich die Sorgen um meine Geschwister los? Um meine Nichten und Neffen? Früher war es mir unverständlich als meine Mutter sich Gedanken machte, wenn ich einmal viel zu spät nach Hause kam. Heute kann ich es selbst nachvollziehen. Natürlich habe ich keine dauernde Angst darum, das jemanden etwas aus meinem näheren Umfeld zustoßen könnte, aber dennoch klopft der Gedanke schon mal an und fragt mich: „Wie ginge es dir dabei?“. Es kommt daher, das ich mich einfühle und frage wie andere damit umgehen.

Ich kann verstehen, wenn Menschen sich dieser unausweichlichen Barriere nicht stellen wollen und sich zu Lebzeiten keine Gedanken darüber machen. Man könnte sagen:“Wozu auch? Ich lebe jetzt und was kümmert mich mein Ende?“ Ich für meinen Teil möchte aber nicht einfach lapidar darüber hinweggehen, so als ob mich der Tod nicht fürchten würde. Alles andere wäre Selbstbetrug. Ich glaube die Auseinandersetzung damit ist hilfreich für mich selbst und verschafft mir ein Mindestmaß an Klarheit, wenn ich mit dieser Situation konfrontiert werde.

Darüberhinaus führt es mich dazu, das ich meinen eigenen Tod zumindest im Kalkül habe. Der Umstand, das es irgendwann vorbei ist, dient mir als Antrieb meine Lebenszeit nicht zu verschwenden und meine Träume soweit es geht Wirklichkeit werden zu lassen. Am Ende möchte ich im Frieden zu mir sagen können: Es war okay. Denn um mich selbst werde ich nicht trauern müssen. Meine Gedanken die sind dann bei denen die es vielleicht tun.

Text und Bild: (c) Michael Beetz

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Hi, mein Name ist Michael Beetz und ich bin das Gesicht hinter wunderdings.de – Mein Blog mit Geschichten aus meinem Leben.

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